Hülsen der Tage

Das Projekt Hülsen derTage läuft bereits seit über zwei Jahren und ist konzeptuell angelegt.

Listen, die ich schreibe um meineTage zu strukturieren und zu planen oder die mir als Erinnerungshilfen dienen, sammle ich kontinuierlich. Die einzelnen Listen werden mittels Farbkopierer direkt aufeinander gedruckt. Ein Monat verdichtet sich so jeweils zu einem Blatt mit mehreren sich überlagernden Bild- und Textschichten.

In einer Gesellschaft in der die Optimierung von Leistung im Vordergrund steht ist das Listen schreiben ein sinnvolles Instrument. Effizienzsteigerung ist nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Kunst ein zentralesThema. Indem ich meine persönlichen Listen zur Kunstproduktion wieder verwende, wird mein Humankapital optimal ausgeschöpft. Die Listen sind ein Sinnbild vergehender Zeit und eine Metapher für Erinnerung. Sie lassen einen die eigene Vergänglichkeit sichtbar bewusst werden. Es entsteht ein Memento Mori des Kapitalismus, wenn das vergehende Leben über Listen definiert wird, die es abzuarbeiten gilt.

Die entstandenen Bilder suggerieren Einblick in mein Leben. Das Private wird öffentlich. Analog dazu verhält sich unser Umgang mit Daten im Internet. Täglich veröffentlichen Millionen von Menschen intime Details aus ihrem Leben. Sie hinterlassen unbewusst Datenspuren, die Aufschluss geben über ihre Interessen und Tätigkeiten. Durch die Schichtung und das Abstreichen übe ich eine Art von Zensur aus, die mir Kontrolle über meine analogen Daten verleiht. Wie können wir in Zukunft die Kontrolle über unsere digitalen Daten zurückerlangen?

 

Inkjetdruck auf Papier

Format: 21 x 29.7 cm

2016 / 2017 / 2018